Artikel aus den Harburger Anzeigen und Nachrichten (HAN)

Plädoyer für eine verlorene Sache - vom 04/02/2010

Geplant: 100 Kilometer Lauf auf der B 73 - vom 04/02/2009

Gute Vorsätze im Rücken - vom 03/01/2009

Rennen gegen die Rezession - vom 01/11/2008

Jetzt geht es endlich wieder los - vom 24/10/2008

Plädoyer für eine verlorene Sache

Harburg (jp).Mark Schepanski nennt es eine "Abstimmung mit den Füßen" und sieht sich deshalb in der Entscheidung, die vor mehr als 30 Jahren erstmals durchgeführte Winterlaufserie der LG HNF - wie bereits mehrfach berichtet - mit dem Ende dieses Winters sterben zu lassen, bestätigt: "Die seit Jahren rückläufigen Teilnehmerzahlen sprechen eine mehr als eindeutige Sprache", sagt der LG-HNF-Trainer und einer der "Macher" der Traditionsveranstaltung. Diese hatte zu ihren Hochzeiten in den 1980er-Jahren jeweils bis zu 400 Läuferinnen und Läufer in die Fischbeker Heide gelockt. "Und das selbst bei widrigstem Wetter, wie wir es zum Beispiel am vergangenen Wochenende hatten", so Schepanski mit Blick auf die gerade einmal noch rund 60 Unentwegten, die am Sonntag sozusagen zum vorletzten Akt der Winterlaufserie gekommen waren.

Einer von ihnen war Thomas Waldmann (Foto) aus Drestedt: "Aber nicht nur, um zu laufen", wie er sagte, "sondern um für den Erhalt dieser einmaligen Laufserie zu werben". Ein Vorhaben, das aber nur von vergleichsweise mäßigem Erfolg gekrönt war: Gerade einmal 25 Unterschriften konnte der Lehrer für seine Aktion "Die Winterlaufserie darf nicht sterben!" rekrutieren. So wird es "definitiv dabei bleiben" (Schepanski), dass das Finale der Winterlaufserie 2009/2010 am Sonntag, 28. Februar, auch gleichzeitig das Ende einer der ältesten hiesigen Leichtathletik-Veranstaltungen überhaupt sein wird. "Daran wird sich garantiert nichts ändern. Diese Laufserie hat sich überholt, weil sie nicht mehr attraktiv genug ist. Das muss man ganz unsentimental sehen und nach vorn blicken", sagt Schepanski. Waldmann waren übrigens bereits bevor er seine Aktion gestartet hatte Zweifel an deren Erfolg gekommen: "Ich hatte viele angesprochen. Alle haben zwar bedauert, das die Serie stirbt, aber dagegen etwas tun wollte kaum einer."

Geplant: 100-Kilometer-Lauf auf der B73

Die Liste der erfolgreichen Sportveranstaltungen der LG HNF ist lang. Die Winterlaufserie, der Straßenlauf-Cup, der Süderelbe-Halbmarathon und auch die legendären 24-Stunden-Läufe legen davon ein beredtes Zeugnis ab. Jetzt hat Mark Schepanski (mit seinem Zwillingsbruder André die treibende Kraft bei der LG HNF) einen neuen Coup in Arbeit: Im Juni 2011 soll ein 100-Kilometer-Lauf auf der Bundesstraße 73 stattfinden. André Schepanski: "Die Bezirksversammlung hat einen Antrag auf Sperrung bereits zugestimmt. Nun muss die Abstimmung mit den Verkehrsbehörden erfolgen." Gelaufen werden soll auf einer gut 2,5 Kilometer langen Strecke zwischen dem Süderelbebogen (linke Markierung) und dem Bereich Ehestorfer Heuweg (rechte Markierung). Start und Ziel sollen beim HNT-Vereinshaus in der Cuxhavener Straße 253 (in Höhe des Sportplatzes Opferberg in der unteren Bildmitte) sein. Der Lauf im Rahmen der 100-Jahr-Feier der HNT soll mehr als 2000 Aktive anlocken. Im Programm sind auch Staffeln (10x10, 20x5 Kilometer) sowie ein 50-Kilometer- und ein Marathon-Lauf vorgesehen. André Schepanski: "Der Lauf soll Volksfestcharakter haben. Vielleicht können wir auch die Deutsche Meisterschaft über die 100-Kilometer-Distanz ausrichten."

Gute Vorsätze im Rücken

Von Florian Kleist

"Diese Veranstaltung zieht ja keine leistungsorientierten Läufer an. Es fehlt der große Anreiz", beschreibt Mark Schepanski von der Leichtathletik-Gemeinschaft Hausbruch-Neugraben-Fischbek (LG HNF) das, was bei der Winterlauf- und Wanderserie seines Vereins Segen und Fluch zugleich ist. Es gibt keine großen Pokale, niemanden, der als Erster eine Ziellinie überqueren könnte und auch keine Bestzeiten sondern "nur" die Freude am gemeinsamen Laufen. Und genau das macht für mehr als 100 treue Seelen den Reiz der Laufserie aus, dessen dritter von fünf Terminen morgen in der Fischbeker Heide ansteht.
Bis vor vier Jahren seien noch wesentlich mehr Läuferinnen und Läufer bei der LG-HNF-Winterlaufserie gestartet. Einer der Gründe, so Schepanski: "Damals gab es noch das Volkslaufabzeichen des Deutschen Leichtathletikverbands. Da konnte man sich bei jeder Laufveranstaltung in einem kleinen Büchlein Kilometer abstempeln lassen." Aus Kostengründen sei dieses Angebot vor einigen Jahren vom Verband eingestellt worden und das bekämen besonders so kleine Lauf-Angebote wie die LG-HNF-Winterlaufserie zu spüren.
Morgen steht nun der dritte von fünf Terminen der Winterlauf- und Wanderserie 2008/2009 so der vollständige Name an. Ende November, beim zweiten Lauftag, hatten sich gut 110 Frauen und Männer auf den zehn Kilometer langen Rundkurs durch die Heide begeben. "Morgen werden es wohl mehr werden", so Schepanski: "Der erste Termin im neuen Jahr ist meist der am besten besetzte. Da wollen alle noch ihre guten Vorsätze umsetzen und da gehört ja oft ,Mehr Bewegung' dazu." Zusätzlich hoffte er gestern, "dass das Wetter so bleibt: sonnig und kalt".
Mit drei Euro kann jeder Erwachsene Kinder und Jugendliche zahlen 2,50 Euro morgen mit dabei sein. Von 7.30 bis 12.30 Uhr (Zielschluss) haben die Organisatoren der LG HNF ihr Zelt am Parkplatz Scharpenbargsweg/Falkenbergsweg aufgebaut. Hier kriegen alle Teilnehmer ihre Startkarte und können beliebig auf die Runde bewältigen. Umkleide und Duschmöglichkeiten sind am Sportplatz Opferberg vorhanden.
Am 1. Februar und am 1. März stehen die beiden letzten Termine der Winterlaufserie 2008/2009 an. Danach wird abgerechnet: Alle, die es bei allen Terminen zusammen auf mindestens 50 Kilometer gebracht haben, dürfen sich über eine Urkunde freuen. Wer gar 100 oder mehr Kilometer gesammelt hat also pro Termin durchschnittlich 20 Kilometer gelaufen ist erhält zusätzlich eine Medaille.

Rennen gegen die Rezession

Von Kaj Mortensen

Harburg. "An apple a day keeps the doctor away!" (Ein Apfel am Tag hält den Doktor fern) heißt es im Englischen. Bei der Leichtathletik-Gemeinschaft Hausbruch-Neugraben-Fischbek (LG HNF) heißt es abgewandelt: "Laufen ist das beste Anti-Depressivum!".
Mark Schepanski, der zusammen mit seinem Zwillingsbruder André seit Jahren quasi die Fleisch gewordene LG HNF ist, kommt ohne Umschweife zur Sache: "Man merkt schon, dass den Leuten das Geld nicht mehr so locker in der Tasche sitzt wie noch vor zwei oder drei Jahren." Ergebnis: Es kamen nur noch 120 statt 150 Teilnehmer zum Auftakt der LG-HNF-Winterlaufserie. Bei diesem Veranstaltungs-Klassiker gilt es, eine zehn Kilometer lange Rundstrecke durch die Fischbeker Heide beliebig oft zu durchlaufen oder zu durchwandern.
Jeder Volkswirtschaftsstudent lernt im ersten Semester, dass ein Wirtschaftslenker antizyklisch fahren soll. In schlechten Zeiten heißt das: Gas geben! Bei der LG HNF also: Rennen gegen die Rezession. Mark Schepanski: "Die Resonanz war durchwachsen, denn die Teilnehmerzahlen sind sinkend." Die LG HNF war quasi ein Mini-Indikator der wirtschaftlichen Entwicklung, denn, so Schepanski, "wir haben es eigentlich schon im Frühjahr gemerkt, dass selbst drei Euro Nachmeldegebühr für den einen oder anderen zu viel sein können, wenn vielleicht auch noch die Familie mitlaufen will."
Sein Zwillungsbruder André Schepanski sieht einen zweiten Grund für die rückläufigen Teilnehmerzahlen: "Das Freizeitverhalten der Läufer und Läuferinnen hat sich verändert. Früher war bei den Herbstläufen mehr los. Im Frühjahr hat man es dagegen locker angehen lassen." Heute ist es laut Schepanski umgekehrt: Im Herbst lässt man das Jahr austrudeln. Die Frühjahrsläufe nutzen die Teilnehmer dagegen immer mehr als Vorbereitung auf die (Halb)Marathons im Sommer.
Was kann man als Verein gegen sinkende Teilnehmerzahlen tun? Mark Schepanski: "Wir bemühen uns im Kleinen darum, optimalen Breitensport und vernünftige Jugendarbeit zu leisten." Sein größter Erfolg ist erst ein paar Wochen her: Die aus Hausbruch stammende Ex-LG-HNF-Sprinterin Carolin Nytra erreichte bei Olympia 2008 in Peking den Zwischenlauf über 100 m Hürden. Wegen des Breitensportcharakters gab es wenig Schlagzeilen beim Winterlauf. Der Drestedter "Eisenfuß" Thomas Waldmann fiel mit drei gelaufenen Runden, also immerhin 30 Kilometern, auf. Am Sonntag um 10 Uhr (Start: Francoper Straße) geht es bei der LG HNF bereits mit dem Süderelbe-Halbmarathon weiter.

Jetzt geht es endlich wieder los

Von Florian Kleist

"Ich freue mich schon richtig, dass es endlich wieder losgeht", sagt Ursula Stanik: "Es ist einfach eine ganz besondere Laufveranstaltung." Gemeint ist die Winterlauf- und Wanderserie der LG HNF, die am kommenden Sonntag und an vier weiteren Terminen alle Laufbegeisterten der Region in die Fischbeker Heide lockt. Und das Lob kommt aus berufenem Mund: Denn Stanik ist bisher in jedem Jahr bei der Winterlaufserie, die nun ihre 34. Auflage erlebt, an den Start gegangen.
Das Prinzip der Winterlaufserie ist simpel und vielleicht gerade deshalb seit 33 Jahren so erfolgreich. In den Herbst und Wintermonaten setzen die Organisatoren der LG HNF fünf Termine an, an denen die Sportlerinnen und Sportler Kilometer fressen können. Ein zehn Kilometer langer Rundkurs durch die Fischbeker Heide kann so oft durchlaufen werden, wie es die Beine hergeben. Manche bringen es an einem Sonntagvormittag auf zehn, andere auf 30 oder mehr Kilometer. Aber egal an wievielen der fünf Termine die Gesamtdistanz zusammengelaufen wurde: Wer es insgesamt auf mindestens 50 Kilometer bringt erhält zu Abschluss eine Urkunde, wer gar 100 oder mehr Kilometer auf seine Laufkarte bringt, darf nach der Abschlussveranstaltung im März zusätzlich mit einer Medaillen nach Hause gehen.
An jedem der fünf Sonntage (siehe Übersicht) öffnen die Organisatoren ihr Zelt am Parkplatz Scharpenbargsweg/Falkenbergsweg in Neugraben. Die Anmeldegebühr beträgt für Erwachsene drei Euro, für Jugendliche und Familienangehörige eines Vollzahlers kostet die Teilnahme pro Lauf 2,50 Euro. Dann geht's egal in welchem Tempo und wie oft auf den Rundkurs durch das Naturschutzgebiet. Um 12.30 Uhr ist dann Zielschluss am Parkplatz. Duschen stehen am Sportplatz Opferberg zur Verfügung, wo noch bis 13 Uhr gestempelt wird.
Für die Organisatoren um Mathias Thiessen und Mark Schepanski von der LG HNF ist die Winterlaufserie aber nicht nur eine gute Überbrücken der kalten Jahreszeit: "Sie dient auch der optimalen Vorbereitung auf die Marathon- und Volkslaufsaison."
Ursula Stanik will am kommenden Sonntag um 9.30 Uhr an den Start gehen. Dann und an den vier weiteren Terminen bis zum Abschluss am 1. März 2009 möchte sie einmal die zehn Kilometer laufen. Denn auch wenn der Spaß für die 76-Jährige im Vordergrund steht: "Die 34. Urkunde möchte ich natürlich schon mit nach Hause nehmen."